Frage
❓In einem Vortrag zum Thema Taufe (vom 14.08.2019) spricht der Bruder und Pastor Olaf Latzel* auch über das Thema Säuglingstaufe. Zur Widerlegung der These, dass die Säuglingstaufe erst unter Konstantin eingeführt wurde, führt er die Didache als frühchristliches Dokument an, das diese angeblich schon eindeutig lehre [ab Min. 44:33]. Ist dies so korrekt?
Die Didache ist eine Gemeindeordnung, die wahrscheinlich um das Jahr 100 n. Chr. im Zusammenhang mit einer oder mehreren Gemeinden in Syrien zusammengestellt wurde. Dass dieses frühchristliche Dokument die Kindertaufe eindeutig lehre, ist nicht korrekt. Der Theologe und Kirchenhistoriker Philip Schaff schreibt in seinem Werk über die Didache:
„Über die Kindertaufe wird nichts gesagt.“1
Auch der Historiker David F. Wright schreibt:
„Die Anweisung zur Taufe in der Didache sieht verantwortungsbewusste Teilnehmer als ihre Subjekte vor. Es gibt keine Bestimmung für kleine Kinder, aber sie werden auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen.“2
Die dafür relevante Stelle ist diese:
Didache Kapitel 7
Nochmal Schaff dazu:
„Der Hinweis auf Unterweisung und die Anordnung zum Fasten zeigen, dass der Verfasser ausschließlich die Taufe von Katechumenen oder gläubigen Erwachsenen im Blick hat.“3
Da der Bruder in seinem Vortrag davon spricht, dass es „eindeutig“ gelehrt werde, möchte ich auch nochmal auf die Antwort Wrights hinweisen auf die Frage, ob es explizite Stellen zur Kindertaufe bei den Apostolischen Vätern gibt:
„Die erste dürfte sich am leichtesten beantworten lassen, da – soweit mir bekannt – kein mir bekannter Gelehrter sie heute bejaht.“4
Gibt es Hinweise auf die Kindertaufe in der Didache?
Wright geht in seinem Werk darauf ein, dass Joachim Jeremias in seinem Werk Hat die Urkirche die Kindertaufe geübt (1949) eine Verbindung zwischen warmem Wasser (s. Kap. 7,2) und der Kindertaufe herstellte. In seinem späteren Werk Infant Baptism (1958/60) stelle er diese Verbindung aber nicht mehr her. Das Werk Didache in Modern Research (1996, S. 219) weise diese Verbindung jedoch von der Hand.6
Auch schreibt er noch einmal zu einer anderen Stelle, dass "In Did. 4,9–11 ein Teil der vorbaptismalen Unterweisung auf eine Einbeziehung des gesamten Haushalts hin[deutet] , wobei Kinder und Sklaven zur christlichen Erziehung innerhalb der Familie gehören. Wie dies jedoch mit der Taufordnung in Did. 7 zusammenhängt, ist völlig unklar."7 Die relevante Stelle ist hier :
Didache Kapitel 4,9-11
Fazit
Zusammenfassend kann man sagen: Die Didache lehrt die Säuglingstaufe nicht, sondern spricht nur von einer Erwachsenentaufe – dies heißt jedoch nicht zwingend, dass die Säuglingstaufe ausgeschlossen wird. Die generelle Tauftheologie der frühen Kirche ist jedoch ein Thema für ein andermal.
Fußnoten
- Philip Schaff, The Oldest Church Manual, Called The Teaching of the Twelve Apostles, S. 31. Online: Google Books.
- David F. Wright, in: Andrew Gregory u. Christopher Tuckett (Hg.), Trajectories through the New Testament and the Apostolic Fathers, S. 126.
- Schaff, The Oldest Church Manual, S. 31.
- Wright, in: Trajectories through the New Testament and the Apostolic Fathers, S. 124.
- Everett Ferguson, Church History, Volume 1: From Christ to the Pre-Reformation, Grand Rapids: Zondervan 2005, S. 41.
- Wright, in: Trajectories through the New Testament and the Apostolic Fathers, S. 126 (in der Fußnote).
- Ebd., S. 126.
- Ebd., S. 128.