Kirchengeschichte27. Mai 2025

Die Gottheit Jesu vor Nizäa – Belege aus den Schriften der frühen Kirche

Gibt es Beweise dafür, dass der Glaube an die Gottheit Jesu schon vor dem Konzil von Nizäa vorhanden war?

Das Konzil von Nicäa, welches im Jahr 325 n. Chr. stattfand, ist von viel Kontroverse umringt. Manche glauben, dass dort die Bücher der Bibel – also der Kanon – entschieden wurden (obwohl das Konzil damit nichts zu tun hatte). Die Frage nach der Gottheit Jesu war jedoch eng mit diesem Konzil verknüpft und  hielt letztendlich fest, dass Jesus wahrer Gott ist.

Aber heißt das, dass diese christliche Lehre dort erst erfunden wurde? Oder glaubten Christen schon vorher daran, dass Jesus Gott ist?

Ignatius von Antiochia

1. Clemensbrief

Der Erste Clemensbrief (ca. 96 n. Chr.) ist ein Brief der Gemeinde in Rom an die Gemeinde in Korinth. Später wurde er der Person Clemens zugeschrieben. In diesem Brief begegnet uns eine trinitarische Formel, vergleichbar mit der in Matthäus 28,19:

Denn so wahr Gott lebt und Jesus Christus lebt und der Heilige Geist – die der Glaube und die Hoffnung der Auserwählten sind –, so gewiss wird derjenige, der mit Demut und anhaltender Sanftmut ohne Bedauern die von Gott gegebenen Anordnungen und Gebote erfüllt hat, eingeschrieben sein und einen Namen haben unter denen, die durch Jesus Christus gerettet werden – durch den die Herrlichkeit sei zu Ihm in alle Ewigkeit. Amen.“ (1. Clemens 58)

James White schreibt zu dieser Stelle: "Ebenso wie im Neuen Testament ist auch im Denken Clemens’ die enge Zusammenarbeit von Vater, Sohn und Geist (hier unter Verwendung der trinitarischen Bezeichnungen, die Paulus verwendet: Gott, Herr und Geist) im Erlösungswerk deutlich erkennbar. Er beschreibt die drei Personen als den Glauben und die Hoffnung der Auserwählten – ein Ausdruck, der außerhalb des Glaubens an die volle Gottheit aller drei keinen Sinn ergeben würde."[2]

Irenäus

Irenäus lebte im 2. Jahrhundert nach Christus. Als jemand, der in seiner Jugend beanspruchte in Smyrna die Lehren des Polykarp gehört hatte, war er eine wichtige Verbindung zum nachapostolischen Zeitalter.[3] In seinen Werken gegen Irrlehren äußert er sich auch zur Gottheit Jesu:

Der Sohn aber, der von Ewigkeit her mit dem Vater zusammen existiert, offenbart seit jeher – ja, von Anfang an – stets den Vater: den Engeln, den Erzengeln, den Mächten, den Gewalten und allen, denen er will, dass Gott offenbart werde.“ (Gegen Irrlehren 2.30.9)

„Er empfing von allen das Zeugnis, dass Er wahrer Mensch und wahrer Gott war – vom Vater, vom Geist, von den Engeln, von der Schöpfung selbst, von den Menschen, von abgefallenen Geistern und Dämonen, vom Feind und zuletzt sogar vom Tod selbst.“ (Gegen Irrlehren 4.6.7)

Clemens von Alexandria

Clemens von Alexandria – nicht zu verwechseln mit dem Namensgeber des Clemensbriefs – lebte ebenfalls im 2. Jahrhundert († um 215). „Er repräsentiert den gebildeten und kultivierten Bekehrten zum Christentum“[4], der auch die Philosophie hoch schätzte. In seinem Werk Mahnrede an die Heiden schreibt er über den Herrn Jesus:

„Er allein ist beides – sowohl Gott als auch Mensch.“ (Kapitel 1)

„Denn es geschah nicht ohne göttliche Vorsehung, dass ein so großes Werk in so kurzer Zeit vollbracht wurde – durch den Herrn, der zwar dem äußeren Anschein nach verachtet, in Wirklichkeit jedoch angebetet wurde: der Sühner der Sünde, der Retter, der Gütige, das göttliche Wort, der wahrhaft offenbarste Gott, der dem Herrn des Universums gleichgestellt ist [...]“ (Kapitel 10)

Justin der Märtyrer

„Der wohl wichtigste und einflussreichste der christlichen Apologeten des zweiten Jahrhunderts war Justin Martyr, der in seinem Leben und Tod die beiden christlichen Reaktionen auf Verfolgung verkörperte, die literarische Werke hervorgebracht haben: Apologetik und Martyrium.“[5] In seiner Ersten Apologie (Kapitel 63) schreibt er, ebenfalls im zweiten Jahrhundert:

„Denn jene, die behaupten, der Sohn sei der Vater, erweisen damit, dass sie weder den Vater erkannt haben noch wissen, dass der Vater des Universums einen Sohn hat – der zugleich das erstgeborene Wort Gottes ist und selbst Gott ist.“

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Glaube an die Gottheit Jesu keine Erfindung des Konzils von Nizäa war, sondern schon unter den Christen des zweiten Jahrhunderts weit verbreitet war.

Everett Ferguson, Church History, Volume 1: From Christ to the Pre-Reformation (Grand Rapids: Zondervan, 2005), 141, 44. ↩︎

James White, The Forgotten Trinity, 179. ↩︎

Ferguson, Church History, 95. ↩︎

Ferguson, Church History, 99. ↩︎

Ferguson, Church History, 57. ↩︎

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