Ein christlicher Umgang mit unserer Zeit

Smartphones prägen unseren Alltag wie kaum eine andere Erfindung. Sie eröffnen neue Möglichkeiten, binden jedoch zugleich auch enorme Mengen unserer Zeit. Angesichts einer weltweit durchschnittlichen täglichen Bildschirmzeit von über sechs Stunden stellt sich die Frage, ob wir unsere gottgegebene Zeit noch verantwortungsvoll nutzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Mahnung des Paulus in Epheser 5,15–16 auch neue Aktualität. Mit diesem Text wollen wir uns im Folgenden beschäftigen. Der Apostel schreibt:

Gebt nun acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, die die gelegene Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse. (ELB CSV)

Inhalt

1. Ein bewusster Umgang mit Zeit

Um unseren Umgang mit der Zeit zu verbessern, müssen wir uns zunächst bewusst machen, wie es aktuell darum steht. Paulus ruft die Gläubigen dazu auf, sorgfältig darauf zu achten, wie sie leben. Der Ausleger John Stott bringt diesen Gedanken treffend auf den Punkt: 

Alles, was es wert ist, getan zu werden, erfordert Sorgfalt. Wir alle bemühen uns um die Dinge, die uns wichtig erscheinen – unseren Beruf, unsere Ausbildung, unser Zuhause und unsere Familie, unsere Hobbys, unsere Kleidung und unser Aussehen. Als Christen müssen wir uns also um unser christliches Leben bemühen. 1

Als Licht der Welt und Kinder Gottes sind wir aufgefordert, unseren Lebenswandel bewusst wahrzunehmen. Dazu gehört eben auch, unsere Entscheidungen intentional zu treffen – insbesondere dort, wo wir unsere Zeit investieren oder eben nicht.2  Dass der Apostel diesen Ausspruch „Gebt nun acht“ als Befehl formuliert, und zwar im Präsens, was im Griechischen auf ein kontinuierliches Handeln hinweist, zeigt auch, dass dieses Achtgeben nicht etwas Einmaliges ist, sondern vielmehr eine fortlaufende Lebensweise.

Reflexion

  • Wie bewusst treffe ich Entscheidungen darüber, wofür ich meine Zeit einsetze?
  • In welchen Bereichen meines Lebens müsste ich sorgfältiger darauf achten, wie ich lebe und handle?

2. Ein produktiver Umgang mit Zeit

Als Nächstes ruft uns der Apostel dazu auf, die gelegene Zeit auszukaufen. „In Weisheit zu wandeln bedeutet (eben) insbesondere, die Zeit richtig zu nutzen, und zwar nicht nur die Zeit, die jeder Tag bietet, um für Gott zu arbeiten sondern die passende Zeit, die von Gott gegebene Gelegenheit.“3 Deswegen benutzt der Apostel hier auch das griechische Wort kairos statt chronos.

Eine Stelle, die eine ähnliche Idee vermittelt, findet sich in Galater 6:10:

Also nun, wie wir Gelegenheit haben, lasst uns das Gute wirken gegenüber allen, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens.

Die Zeit auszukaufen scheint hier die Bedeutung zu haben, das Meiste aus unserer Zeit zu machen, indem wir die Möglichkeiten, die sich uns bieten, bewusst nutzen. Denn: „Ist sie nämlich einmal vergangen, können selbst die weisesten Menschen sie nicht mehr zurückholen.“4

Reflexion

  • Welche von Gott gegebenen Gelegenheiten erkenne ich aktuell in meinem Leben?
  • Wo könnte ich bewusster das Gute wirken, anstatt Chancen ungenutzt vorübergehen zu lassen?

3. Die Welt, in der wir leben

Die Begründung, die der Apostel für den Umgang mit unserer Zeit gibt, ist etwas, das wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen müssen. Er schreibt: Die Tage sind böse.

„Die meisten interpretieren Paulus' Verwendung des Begriffs „böse“ auf eine von zwei Arten. Erstens sind die Tage in moralischer Hinsicht böse. Das heißt, die gegenwärtige Zeit ist geprägt von Menschen, die nach den Begierden des Fleisches leben (Eph 2,3) (...). Zweitens sind die Tage böse, weil die Mächte des Bösen – obwohl sie durch den Tod und die Auferstehung Christi besiegt wurden (Eph 1,20–23; vgl. Kol 2,15) – immer noch am Werk sind.“5

Dies unterstreicht die Dringlichkeit dieser Warnung. Wenn die bösen Mächte am Wirken sind, stellt sich umso mehr die Frage, ob wir als Licht der Welt unsere gottgegebenen Möglichkeiten ungenutzt verstreichen lassen wollen.

Reflexion

  • Wie beeinflusst die geistliche und moralische Realität dieser Welt meinen Umgang mit Zeit?
  • Wo fordert mich Paulus’ Hinweis auf die „bösen Tage“ zu größerer Wachsamkeit heraus?

Fazit

Diese Verse rufen zur ehrlichen Selbstprüfung auf. Wohl niemand von uns kann behaupten, den Umgang mit der Zeit vollkommen gemeistert zu haben. Umso mehr sind wir eingeladen, uns neu darauf zu besinnen, in dieser Zeit als Lichter der Welt zu leben und die uns anvertraute Zeit bewusst und weise zu nutzen.

Fußnoten

  1. John R. W. Stott, Gottes neue Gesellschaft: Die Botschaft des Epheserbriefes, Die Bibel spricht heute (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1979), 201–202. ↩︎
  2. Douglas Mangum (Hrsg.), Lexham Context Commentary: New Testament (Bellingham, WA: Lexham Press, 2020), Eph 5,15–21. ↩︎
  3. Francis Foulkes, Ephesians: An Introduction and Commentary, Tyndale New Testament Commentaries, Bd. 10 (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1989), 154. ↩︎
  4. John R. W. Stott, Gottes neue Gesellschaft, 202. ↩︎
  5. Derek R. Brown, Miles Custis, Matthew M. Whitehead, Ephesians, Lexham Research Commentaries (Bellingham, WA: Lexham Press, 2013), Eph 5,16. ↩︎

Ähnliche Artikel