Apologetik11. Mai 2025

Die ewige Existenz Jesu im Johannesprolog

Ἐν (ἀρχῇ) / Im Anfang

Wenn Johannes sagen wollte, dass Jesus im Anfang erschaffen wurde, hätte er passend die griechischen Wörter ἀπ' ἀρχῆς benutzen können. Diese Formulierung steht zum Beispiel in Johannes 8,44 [3]. Sie würde die Vorstellung unterstützen, dass Jesus ab einem bestimmten Zeitpunkt zu existieren begann [4]. Doch Johannes benutzt nicht ἀπ’ ἀρχῆς, sondern ἐν ἀρχῇ – also „im Anfang“. Das ist entscheidend!

Denn die Präposition ἐν (im) beschreibt einen Zustand oder Ort, nicht eine Bewegung oder einen Ursprung [5]. Baumgarten erklärt dazu:

„Die Verwendung der Präposition ἐν anstelle von ἀπό bedeutet, dass Johannes den Status des Wortes zur Zeit des Anfangs beschreibt, und nicht, dass das Wort von Anfang an existierte (aus diesem Anfang stammend).“ [6]

Mit anderen Worten: Das Wort war im Anfang, nicht es wurde.

ἦν – war

Johannes macht im gesamten Prolog (Joh 1,1–18) aber auch eine klare Unterscheidung zwischen zwei Verben, die für unser Thema wichtig sind:

ἦν (von εἰμί) – bedeutet „war“ oder „ist“ → beschreibt fortwährende Existenz

ἦν (von εἰμί) – bedeutet „war“ oder „ist“ → beschreibt fortwährende Existenz

ἐγένετο (von γίνομαι) – bedeutet „wurde“ oder „entstand“ → beschreibt Entstehung, Schöpfung

ἐγένετο (von γίνομαι) – bedeutet „wurde“ oder „entstand“ → beschreibt Entstehung, Schöpfung

Diese Unterscheidung ist zentral. Das Wort ἦν drückt keinen Ursprung aus, sondern beschreibt einfach eine kontinuierliche Existenz [7]. Johannes benutzt ἦν für das Wort (Jesus) in Vers 1 im ewigen Zustand, während er ἐγένετο z.B. für die Schöpfung benutzt in Vers 3.

Baumgarten bringt es so auf den Punkt:

„Außerdem, wenn Johannes den Ursprung des Wortes hätte mitteilen wollen, wäre es am einfachsten gewesen, das Verb ἐγένετο (γίνομαι) zu verwenden:ἐν ἀρχῇ ἐγένετο ὁ λόγος (‚Im Anfang wurde das Wort‘).“ [9]

Doch genau das tut Johannes nicht. Stattdessen betont er durchgängig: Das Wort war. Nicht: Das Wort „wurde“.

Ein weiteres Beispiel für diese sprachliche Unterscheidung sehen wir in Johannes 8,58:

Hier steht γενέσθαι (Form von γίνομαι – „werden“) für Abrahams Entstehung, und εἰμί (Form von „sein“) für Jesu Sein – also genau die Unterscheidung wie in Johannes 1,1.

Fazit

Die sprachlichen Feinheiten im Johannesprolog – die Unterschiede zwischen ἀπ’ ἀρχῆς und ἐν ἀρχῇ sowie zwischen ἐγένετο und ἦν – zeigen uns deutlich: Jesus Christus ist ewig. Diese präzise Wortwahl der Heiligen Schrift zeigt uns nicht nur ihre Präzision, sondern hilft uns auch, falsche Lehren zu erkennen und biblisch fundiert zu begegnen.

[1] Die Heilige Schrift. Aus dem Grundtext übersetzt. Elberfelder Übersetzung. Edition CSV Hückeswagen, 7. Auflage (Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 2015), Joh 1.1[2] Der Herr Jesus basiert in Mat 22,32 seine ganze Argumentation auf der Zeitform eines Verbes: "ist". Dies zeigt, dass jedes Wort wichtig ist[3] 



vgl. [1][4] Baumgarten, Kenneth J. A Critique of the New World Translation of the Christian Greek Scriptures’ Treatment of Nine Texts Employing Θεός in Reference to Jesus Christ. Master’s thesis, South African Theological Seminary, 2007. Supervisor: Dr. KG Smith. S.24[5] Wallace D. B.: Greek Grammar Beyond The Basics. Grand Rapids, MI: Zondervan 1996. S. 357 (als Quelle angegeben in Baumgartens Arbeit)[6] Baumgarten, a.a.O., S.25[7] A.T. Robertson, Word Pictures in the New Testament (Nashville, TN: Broadman Press, 1933), Joh 1,1[8] Marvin Richardson Vincent, Word Studies in the New Testament, Bd. 2 (New York: Charles Scribner’s Sons, 1887), 24[9] Baumgarten, a.a.O., S.24–25

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